Psychologische Praxengemeinschaft Offenbach am Main
 
 
 
 
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Körper-Psycho-Therapie(n)


"Habe ich meinen Körper verloren, so habe ich mich selbst verloren.
Finde ich meinen Körper, so finde ich mich selbst.
Bewege ich mich, so lebe ich und bewege die Welt.
Ohne diesen Leib bin ich nicht, und als mein Leib bin ich.
Nur in der Bewegung aber erfahre ich mich als mein Leib,
erfährt sich mein Leib,
erfahre ich mich.
Mein Leib ist die Koinzidenz von Sein und Erkenntnis,
von Subjekt und Objekt.
Er ist der Ausgangspunkt und das Ende meiner Existenz."


Diese Gedanken des russisch-französischen Körper-Psycho-Therapeuten Vladimir Iljine sind so etwas wie das Credo aller körper-psycho-therapeutischen Ansätze.

Der Hintergrund für die Zunahme der körper-psycho-therapeutischen Methoden: immer mehr Menschen leben - so scheint es - in einer "Daten- und Wortwelt" statt in der sinnlichen Realität. Auf dem Weg zur interaktiven Datenautobahn von Internet und Cyberspace geht dem virtualisierten Medienmenschen scheinbar auch sein realer Körper mehr und mehr verloren. Und dieser pocht dann doch auf seine biologische Selbsterhaltung und meldet sich. So wird der Körper in einer immer fiktiver und unsicher werdenden Welt für viele die letzte Bastion des wirklich authentisch selbst Erlebten. Und das macht anscheinend die Attraktivität der Körper-Psycho-Therapie für viele aus, denn dort sind intensives und authentisches Erleben möglich und nicht nur "psychotherapeutische Wortwelt."

So ist das Ziel vieler KPT-Methoden in einer tendenziell körperfeindlichen Welt, in der vor allem der "Kopf" (also der Verstand) Kultur und Umgang miteinander bestimmen, die Bedeutung von Körper und Emotion für das Leben eines Menschen wieder an seinen richtigen Platz zu rücken. Denn auch in der Psychotherapie wurde der Körper lange Zeit verdrängt (für Freud war Psychoanalyse "Heilung von Worten durch Worte", für Lorenzer ein "Sprachspiel").

Allerdings gibt es heute selbst in der Psychoanalyse Methoden, die (aufbauend auf Ferenczi und Groddeck) den Körper integrieren ("analytische Körpertherapie", Tilmann Moser). Und auch bei den Methoden der Humanistischen Psychologie, z.B. in der Gestalt-Therapie ("Verliere den Verstand und entdecke den Sinn", Fritz Perls) und im Psychodrama spielt die Arbeit mit Körper und Emotion eine wichtige Rolle.

Die Theorien und Methoden der Körper-Psycho-Therapie entwickelten sich seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts aus Psychoanalyse und Bewegungsarbeit. Ein wesentlicher Anstoß wurde von Wilhelm Reich gegeben, auf den eine ganze Reihe körperpsychotherapeutischer Schulen zurück gehen (siehe weiter unten). Obwohl es körper-psycho-therapeutische Ansätze schon seit Anfang des letzten Jahrhunderts gibt, wurden sie einer breiteren Öffentlichkeit erst in den letzten Jahren bekannt. Und heute gibt es eine Vielzahl von körper-psycho-therapeutischen Methoden.

Man kann grob drei Ausrichtungen bei den KPT- Methoden unterscheiden

  • Energetisch-strukturelle (neoreichianische) Verfahren: Bioenergetik, Charakteranalyse, Orgon-Therapie, Biorelease, Radix-Gefühlserziehung, Core-Therapie, Hakomi, etc.
  • Tanz- und Bewegungstherapieschulen: Konzentrative + Integrative Bewegungstherapie, Feldenkrais-Arbeit, Eutonie, Tanztherapie, Alexander-Technik, etc.
  • Atemtherapiemethoden: (Holotrope Therapie nach Grof, Atemschule nach Middendorf, Rebirthing nach Orr, Pranayama, etc.)

So unterschiedlich die KPT-Schulen auch sein mögen: Das Gemeinsame der verschiedenen körper-psycho-therapeutischen Ansätze liegt darin, dass versucht wird, mit spezifischen Methoden einen unmittelbaren Zugang zur verschütteten Affektivität zu ermöglichen. Ihre klinische Bedeutung erhält die Körper-Psycho-Therapie vor allem dadurch, dass die meisten psychischen Erkrankungen und Symptome verbunden sind mit Störungen des affektiven und körperlichen Erlebens oder der Körperfunktionen. Diese Störungen drücken sich auch in Körperhaltung, Muskeltonus, Bewegungsmustern und vegetativen Prozessen aus. So wird das "emotionale Gedächtnis des Körpers" genutzt, um das Unbewusste bewusst zu machen.

Es wird immer auf zwei Ebenen gearbeitet

  • auf der körperlichen Ebene
  • psychotherapeutisch

Man könnte sagen: Es wird in den Körper-Psycho-Therapie-Methoden immer versucht Psyche und Soma zu integrieren und damit die durch die Neurose gestörte Körperlichkeit zu verändern und umgekehrt durch die Veränderung der Körperstruktur die Neurose positiv zu beeinflussen.

Körper-Psycho-Therapie-Verfahren finden sowohl in der Einzelbehandlung Anwendung als auch in der Gruppentherapie. Die Kosten hierfür werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen, sondern sind Individuelle Gesundheits-Leistungen (IGEL), die nur vereinzelt von Privatversicherungen (gemäß GOÄ/GOP) bezahlt werden.

Werner Gross