Psychologische Praxengemeinschaft Offenbach am Main
 
 
 
 
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Psychodrama


Psychodrama ist die älteste Form der systematischen Gruppenpsychotherapie. Es wurde in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts von Jacob L. Moreno begründet.

Als Vorläufer des Psychodrama können allerdings schon die Mysterienspiele des Altertums, die "Commedia dellarte" und verschiedene Formen des experimentellen Theaters angesehen werden.

Im Mittelpunkt des Psychodrama steht das Rollenspiel: Auf einer "Bühne" stellt der Klient unbewältigte Probleme, Situationen und Szenen aus seiner Lebensgeschichte dar und erlebt im Spiel ein Wiederaufleben der alten Konflikte, die dadurch der Bearbeitung zugänglich werden. So werden einerseits konkrete Erlebnisse im Psychodrama dargestellt, aber ebenso innere Konflikte, Träume und Phantasien.

Im wiederholten Durchspielen der konfliktuösen Situationen kann er die Probleme neu erleben, be- und verarbeiten. Dabei erleichtert der spielerische Charakter des Psychodrama die szenische Darstellung des Seelenlebens, d. h. die Bearbeitung passiert nicht nur im Inneren (im Kopf) des Klienten, sondern im direkt Erlebten: Auf der äußeren Bühne wird bearbeitet, was sich auf der inneren Bühne des Patienten abspielt. Moreno, der als einer der Urväter der Gruppenpsychotherapie angesehen wird, schreibt, dass im Psychodrama "der zweidimensionale Diwan der Psychoanalyse durch den dreidimensionalen Raum ersetzt wird."

Psychodrama wird zumeist in Form der Gruppentherapie durchgeführt (außer im "Monodrama", das auch in der Einzeltherapie durchgeführt werden kann), deshalb übernehmen andere Gruppenmitglieder die Rollen, die in der inneren Welt des "Protagonisten" von Bedeutung sind.
Durch den unterschiedlichen Blickwinkel der mitspielenden und zuschauenden Gruppenmitglieder, sowohl während der Spielphase als auch in der Nachbesprechung ("sharing"), bekommt der Klient/die Klientin oft Anregungen und Unterstützung, das dargestellte Problem mit anderen Augen zu sehen und nicht verbissen an der misslungenen Problemlösung festzuhalten, die oft der Hintergrund der Symptomatik ist.

Dabei ist Psychodrama nicht nur einfach "Theater". Es gibt eine Vielzahl psychodramatischer Methoden und Techniken, die den therapeutischen Prozess intensivieren: "Rollentausch", "Doppelgänger", "Spiegeln", "leerer Stuhl", "magic shop", "Zukunftsprojektion", etc.. Diese sind das eigentlich Psychotherapeutische an der Methode. Sie unterscheiden das Psychodrama sowohl von einer gewöhnlichen Theateraufführung wie auch von einem "platten Rollenspiel" oder von der "psychoanalytischen Redekur".

Psychodrama wird in vielen Berufsfeldern angewandt - sowohl in psychosomatischen Kliniken, in Beratungsstellen, wie auch in der ambulanten Psychotherapie. (Die Kosten werden im ambulanten Bereich z.Zt. noch nicht von den Krankenversicherungen übernommen). Vielfach kommt Psychodrama auch in nichtklinischen Tätigkeitsfeldern wie Supervision, Coaching, Unternehmens- und Organisationsberatung mit guten Erfolgen zum Einsatz.

Werner Gross